Eine Zecke entfernen: Worauf es ankommt

Eine Zecke richtig zu entfernen ist keine Kunst. Dennoch haben viele Betroffene zunächst Berührungsängste mit den kleinen Blutsaugern. Worauf es bei der Zeckenentfernung wirklich ankommt, welche Hilfsmittel es bei der Zeckenentfernung gibt und was die wichtigste Regel beim Entfernen einer Zecke ist, erklärt Zecken-Radar.de.

Zecke entfernen: Auf die Größe kommt es an!

Zecken können Krankheiten übertragen – das macht sie so gefährlich. Hierzu zählen in erster Linie die Lyme-Borreliose und die Frühsommer Meningoenzephalitis (FSME). Aufgrund der Bedeutung der Zecke als Krankheitsüberträger kommt dem Entfernen einer Zecke große Bedeutung zu. Was es mitunter so schwer macht, die Zecke erfolgreich zu entfernen, ist ihre Größe. Ein ausgewachsenes Zeckenweibchen der häufigsten Zeckenart in Deutschland, dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), ist im nüchternen Zustand gerade einmal 3-4 Millimeter groß – die Männchen kommen auf 2–3 Millimeter. Nymphen und Larven, also die Zeckenstadien vor der ausgewachsenen Zecke, kommen sogar nur auf ca. 1,5 Millimeter bzw. unter einem Millimeter. Daher ist es gar nicht so einfach, eine Zecke rechtzeitig zu entdecken und richtig zu entfernen.

Grafik: Größe von adulte Zecken (Gemeiner Holzbock) - Männchen vs. Weibchen
Grafik: Größe von Zeckennymphen (Gemeiner Holzbock)
Grafik: Größe von Zeckenlarven (Gemeiner Holzbock)

In aller Kürze: Zecke entfernen? So geht´s!

  1. Befindet sich die Einstichstelle an einer schwer erreichbaren Stelle, bitten Sie eine zweite Person um Hilfe.
  2. Egal ob Sie die Zecke mit einem Werkzeug oder den Fingern entfernen: hautnah zupacken, Quetschungen vermeiden, die Zecke langsam und kontrolliert herausziehen.
  3. Die Einstichstelle nachkontrollieren. Bei zurückgebliebenen Resten der Zecke handelt sich meist um Teile der Mundwerkzeuge, die mit der Zeit vom Körper abgestoßen werden.
  4. Die Einstichstelle mit Alkohol oder einer jodhaltigen Salbe desinfizieren.
  5. Eine Zecke kommt selten allein: Suchen Sie sich gründlich ab.
  6. Sollte eine Rötung um die Einstichstelle nicht verschwinden oder sich sogar ausbreiten, konsultieren Sie einen Arzt.

Doch wie Zecken beim Menschen richtig entfernen?

Bevor die Zecke entfernt wird, gilt vor allem Eines: Bewahren Sie Ruhe! Auch wenn Zecken aufgrund der Ansteckungsgefahr möglichst rasch entfernt werden sollten, besteht kein Grund zu übertriebener Hektik. Es ist völlig normal, dass mitunter mehrere Versuche nötig sind, um eine saugende Zecke erfolgreich zu entfernen. Befindet sich der Zeckenbiss außerdem an einer ungünstigen Körperstelle, wie dem Rücken oder dem Kopf, sollte eine zweite Person hinzugezogen werden. Unabhängig davon, ob die Zecke mit einem Hilfsmittel oder aber den bloßen Fingern entfernt wird, gilt: die saugende Zecke so hautnah wie möglich packen und kontrolliert, nicht ruckartig, herausziehen oder herausdrehen.

Eine Studie aus den Neunzigern hat untersucht, ob sich ein Herausziehen oder Herausdrehen einer Zecke besser zur Entfernung eignet. Das Ergebnis: Ein Herausdrehen wird die Zecke zwar mehr beschädigt, es muss jedoch auch weniger Druck auf die Zecke ausgeübt werden und es bleiben geringere Teile des Stechapparates in der Haut zurück, als dies beim Herausziehen der Fall ist.¹

Wichtig zu wissen: Die Annahme, das Quetschen einer saugenden Zecke erhöhe die Infektionsgefahr für den Gestochenen, ist wissenschaftlich-experimentell nicht haltbar. In einer Studie wurde kein Indiz dafür gefunden, dass Quetschen die Übertragung von Borrelien fördert – gleiches gilt für den Einsatz von Speiseöl oder Nagellack.²

Die meisten Menschen greifen auf mechanische Hilfsmittel zurück, um eine Zecke sicher zu entfernen.  Zu den gängigsten Hilfsmitteln bei der Zeckenentfernung zählen: die Zeckenkarte, das Zeckenlasso, die Zeckenpinzette und die Zeckenschlinge. In der folgenden Übersicht finden Sie spezifische Tipps und Tricks für jedes dieser Werkzeuge.

Übersicht: Hilfmittel zur Entfernung von Zecken

Hilfsmittel / WerkzeugAnwendung
ZeckenpinzetteDie Zecke so hautnah wie möglich packen und dann kontrolliert, nicht ruckartig, herausziehen.
ZeckenzangeEine feine Zeckenzange kann wie eine Pinzette genutzt werden. Mit einer groben Zange lässt sich die Zecke mitunter nicht entfernen. Dann empfiehlt es sich die Zecke, ohne zu ziehen, mit der geschlossenen Zange immer wieder um ihre Achse zu drehen, bis sie loslässt.
ZeckenkarteDie Zecke mit dem V-förmigen Ausschnitt greifen und langsam herausschieben oder –hebeln. Manche Zeckenkarten haben einen größeren und einen kleineren V-förmigen Ausschnitt für größere bzw. kleinere Zeckenstadien. Gerade die kleinen Zeckenstadien (Larve, Nymphe) lassen sich mit einer Karte mitunter schwer entfernen.
Zeckenhebel, „Kuhfuß“Zecke mit dem V–förmigen Ausschnitt hautnah greifen und heraushebeln oder mehrfach um die eigene Achse drehen, bis sie loslässt.
ZeckenlassoDas Lasso möglichst hautnah um die Zecke legen. Anschließend das Lasso durch Loslassen des Druckknopfes zuziehen lassen und die Zecke durch Ziehen entfernen.

Zecke entfernen: Wählen Sie eines der Hilfsmittel für Anwendungstipps aus

Grafik: Zeckenpinzette
Grafik einer Zeckenzange
Grafik: Zeckenkarte
Grafik: Zeckenlasso

Zecke entfernen: Die wichtigste Regel

Stellt man einen Zeckenbiss fest, ist die wichtigste Regel, die saugende Zecke möglichst zeitnah zu entfernen. Die meisten Krankheitserreger werden nämlich erst nach einer gewissen Saugdauer auf den Wirt übertragen (Borreliose erst nach einigen Stunden, die FSME dagegen unmittelbar). Die Art und Weise, wie die Zecke entfernt wird, ist dagegen sekundär. Wer sich nicht imstande fühlt, eine Zecke selbst zu entfernen, sollte einen Arzt aufsuchen.

Zecke entfernen – Einstichstelle kontrollieren und versorgen!

Ist die Zecke erfolgreich entfernt, gilt es die Einstichstelle daraufhin zu untersuchen, ob der kleine Blutsauger auch wirklich vollständig entfernt wurde. Auch hier eignet sich, sofern vorhanden, eine Lupe. Anschließend kann die Stichstelle gut desinfiziert werden. Hierfür Alkohol oder eine jodhaltige Salbe verwenden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, den Zeitpunkt der Zeckenentfernung im Kalender zu notieren und die Einstichstelle einige Wochen gelegentlich zu kontrollieren. Sollte nach einigen Tagen nämlich eine sich kreisförmige Rötung ausbreiten, muss ein Arzt aufgesucht werden. Bei dieser Rötung handelt es sich um die Wanderröte – ein Symptom der Lyme-Borreliose.

Wichtig zu wissen: Wo eine Zecke zum Stich gekommen ist, sind weitere Zecken oft nicht fern! Daher sollte unbedingt die Kleidung und der gesamte Körper auf weitere Zecken abgesucht werden. Kleiner Tipp: Sollte man beim Kontrollieren alleine sein, eignet sich ein Taschenspiegel sehr gut, um auch schwer einsehbare Körperstellen nach Zecken absuchen zu können.

Der vermeintliche „Kopf“ der Zecke bleibt beim Entfernen stecken

Hat man eine Zecke erfolgreich entfernt, kann es durchaus passieren, dass der Stechrüssel (Hypostom) in der Wunde zurück bleibt. Bei diesen Teilen handelt es sich allerdings nicht wie häufig angenommen um den „Zeckenkopf“. Vielmehr sind es Teile der Mundwerkzeuge der Zecke. Diese werden von der Haut früher oder später problemlos abgestoßen. Vom vermeintlichen „Kopf“ der Zecke geht also keine Gefahr für den Betroffenen aus.

Zecke entfernen ohne Hilfsmittel

Was kann man tun, wenn man einen Zeckenbiss entdeckt und gerade keine Hilfsmittel – wie Zeckenkarte oder Zeckenzange – zur Hand sind? In diesen Fällen kann problemlos auf die Finger als Hilfsmittel gesetzt werden. Soll die Zecke ohne Pinzette, Zeckenzange und Co. entfernt werden, ist auf Folgendes zu achten:

  1. Benetzen Sie die Spitze ihres Zeigefingers mit Speichel.
  2. Drehen Sie den Zeigefinger mit mäßigem Druck über den Hinterleib der Zecke.
  3. Führen Sie die Drehbewegung fort bis die Zecke loslässt – die Drehrichtung ist irrelevant.
  4. Sollte die Zecke weiterhin festsitzen: packen Sie die Zecke mit ihren Fingernägeln hautnah an den Mundwerkzeugen und ziehen sie sie heraus. Vermeiden Sie dabei möglichst den Kontakt mit den Körperflüssigkeiten der Zecke.

Wanderröte um den Zeckenbiss – was tun?

Wanderröte auf menschlicher Hand
Bei Verdacht einer Lyme-Borreliose-Erkrankung: Einen Arzt aufsuchen!
Die kreisförmige Rötung wird Wanderröte oder auch Erythema migrans genannt.

Wenn nach einem Zeckenbiss eine Rötung der Haut an der Einstichstelle auftaucht und sich sogar kreisförmig ausbreitet, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Diese kreisförmige Rötung wird Wanderröte oder auch Erythema migrans genannt. Ausgelöst wird sie durch das Bakterium Borrelia burgdorferi, das durch den Speichel der Zecke übertragen wird. Die wachsende Hautrötung entwickelt sich zwischen dem 3. Tag und ca. 4 – 5 Wochen nach dem Zeckenbiss. Die Wanderröte kann nach weiteren 4 – 6 Wochen häufig verschwinden – auch ohne Behandlung. Allerdings tritt die Wanderröte nicht bei jedem Borreliose-Patienten auf. In einem frühen Stadium  können dann Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen ein Indiz für eine Borreliose-Erkrankung sein. Bei Verdacht einer Lyme-Borreliose-Erkrankung sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Es kommt auch vor, dass Betroffene eine Rötung an der Einstichstelle mit einer Wanderröte verwechseln. Liegt allerdings nur eine kleine gerötete Erhöhung an der Einstichstelle vor, handelt es sich um eine durch den Zeckenspeichel hervorgerufene Hautreaktion. Diese ist völlig normal und gesundheitlich nicht weiter bedenklich. Als Faustregel gilt: Ist die Rötung größer als ein altes Fünfmarkstück, muss sie ärztlich abgeklärt werden.

Zecke entfernen beim Hund und bei der Katze

Gerade Haustiere wie Hunde und freilaufende Katzen sind für Zeckenbisse prädestiniert. Ein gründliches Absuchen des Vierbeiners ist daher sehr wichtig – auch wenn die Kooperationsbereitschaft bei Hund und Katze oft zu wünschen übrig lässt. Da sich Haustiere beim Absuchen nach Zecken in einer Stresssituation befinden, zeigen sie häufig aufgeregtes und nervöses Verhalten und erschweren das Absuchen und Entfernen von Zecken. Eine Studie, bei der fünf unterschiedliche Hilfsmittel zur Zeckenentfernung bei Hund und Katze getestet wurden, hat ergeben, dass die Zeckenzange am besten geeignet ist, um Zecken beim Hund und bei der Katze zu entfernen.  In den Kategorien Reaktion des Tieres, Zeitaufwand und Handhabung hat die Zeckenzange am besten abgeschnitten.³ Zecken-Radar.de hat die besten Tipps bei der Zeckenentfernung bei Hund und Katze für Sie zusammengestellt.

Wichtig zu wissen: Gerade Hunde werden nicht nur vom Gemeinen Holzbock gefallen. Nicht selten kann es sich um eine Auwaldzecke oder auch Igelzecke handeln. Von diesen Zeckenarten kann ebenfalls eine Gefahr für ihr Haustier ausgehen.

Video: Zecken entfernen? So geht´s!

Quellen

  1. R. De Boer and A.E.J.M. van den Bogaard, 1993: Removal of Attached Nymphs and Adults of Ixodes Ricinus, J. Med. Entomol. 1993; 30; 748-752.
  2. O. Kahl und Mitarbeiter, 1998, Zentralblatt für Bakteriologie, Band 287, S. 41–52.
  3. K. Robisch, 2010: Tick Removal – Vergleich von fünf verschiedenen Zeckenentfernungsgeräten.

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