Zecken – Parasiten aus dem Unterholz

Zecken zählen zu den gefährlichsten blutsaugenden Parasiten Deutschlands. Seit gut 350 Millionen Jahren drangsalieren die kleinen Überlebenskünstler ihre Opfer. In Deutschland ist der Gemeine Holzbock am weitesten verbreitet. Zecken sind faszinierend und gefährlich gleichermaßen, denn sie übertragen Krankheiten wie die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Lernen Sie die Zecke von A wie Anaplasmose bis Z wie Zeckenentfernung kennen.

Die häufigste Zeckenart in Deutschland: Der Gemeine Holzbock

Zecken sind Spinnentiere und gehören zur Gruppe der Milben. Sie sind die größten Milben des Tierreichs. Weltweit gibt es etwa 950 verschiedene Zeckenarten. Zum Überleben benötigen Zecken Blut von Wirtstieren. Nahezu alle Zeckenarten lassen sich zwei Gruppen zuordnen: den Schildzecken und den Lederzecken. In Deutschland ist die Taubenzecke (Argas reflexus) der wichtigste Vertreter der Lederzecken. Die am weitesten verbreitete Zeckenart in Deutschland ist jedoch der Gemeine  Holzbock (Ixodes ricinus).

Wie sehen Zecken aus?

Der Körper einer Zecke besteht aus zwei Teilen: Der vordere Teil der Zecken trägt die Bezeichnung Capitulum. Der hintere Teil der Zecke wird Idiosoma genannt. Der Gemeine Holzbock  besitzt als Schildzecke einen markanten Schild auf dem Idiosoma. Der Schild bedeckt bei Männchen den gesamten, bei Weibchen etwa die Hälfte des Hinterleibes. Zecken können sogar auf Glas und anderen glatten Oberflächen klettern. Hierzu besitzen sie an den Spitzen der Fußglieder sogenannte Haftpolster (Pulvilli). An den Seiten des Hinterleibes besitzt der Gemeine Holzbock zwei paarige Atemöffnungen, die als Stigmen bezeichnet werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Zeckenarten besitzt die Zeckengattung Ixodes keine Augen. Für die Orientierung nutzt der Holzbock das Haller’sche Organ und seine Tasthaare an den Beinen. Damit kann die Zecke Gerüche, Temperaturen, Erschütterungen und Bewegungen in ihrer Umwelt wahrnehmen. Potenzielle Opfer erkennt sie an der Körperwärme und am ausgeatmeten Kohlendioxid. Ein markantes Merkmal des Gemeinen Holzbocks sind außerdem die scherenartigen Mundwerkzeuge (Cheliceren) sowie der mit Widerhaken besetzte Stechrüssel (Hypostom).

"Kopf" der Zecke mit Hypostom.
Blick auf die Unterseite des mit vielen Widerhaken besetzten „Stechrüssels“ (Hypostom).
Auf der Oberseite des Stechapparates befinden sich scherenartige Strukturen (Cheliceren), mit deren Hilfe die Haut des Opfers aufgeschnitten wird, um das Hypostom in die Wunde stechen zu können.
An den Enden der paarigen Kiefertaster (Pedipalpen) befinden sich viele Sinneshärchen. Die Zecke findet damit eine geeignete Einstichstelle.
Hier kann das Hypostom abbrechen, wenn die Zecke zu ruckartig entfernt wird. In der Haut verbleibt der mit Widerhaken besetzte Teil des Hypostoms, einer Art Leerrohr aus Chitin.

©Zecken-Radar.de

Tracheen der Zecke zum Atmen
Eine der paarigen Atemöffnung der Zecke, die nach außen durch einen Deckel verborgen sind. Durch die winzigen Öffnungen gelangt Sauerstoff in den Körper.
Haller’sche Organ und Haftpolster der Zecke
Zum Festhalten an glatten Oberflächen besitzen Schildzecken an der Spitze des Beinpaares Haftpolster (Pulvilli). Durch ihre paarigen Krallen werden sie abgestreift.
Für die Orientierung nutzt der Holzbock das Haller’sche Organ und seine Tasthaare an den Beinen.

Der faszinierende Lebenszyklus von Schildzecken

Auf ihrem Weg  zur erwachsenen, geschlechtsreifen Zecke durchlaufen Zecken drei Stadien: Das Ei-, Larven- und Nymphenstadium. Lederzecken durchlaufen sogar mehrere Nymphenstadien. Beispielhaft sehen wir uns nachfolgend den Lebenszyklus des Gemeinen Holzbocks, der häufigsten Zeckenart in Deutschland, an. Dieser Zyklus vom Ei zur erwachsenen (adulten) Zecke dauert zwischen zwei und sechs Jahren. Zu Beginn legt ein Zeckenweibchen zwischen 2.000 und 3.000 Eier ab (auch Zeckenkaviar genannt) – bevorzugt in die Laubstreu. Diese hohe Anzahl an Eiern braucht es auch, da aus ca. 1.000 Eiern lediglich eine adulte Zecke hervorgeht.

Grafik: Überlebensrate von Zecken (Gemeiner Holzbock) - aus 1.000 Eiern, ein adultes Weibchen

Aus den Eiern schlüpfen winzige Larven (0,5 mm), die sechs Beine besitzen. Um ihr nächstes Entwicklungsstadium zu erreichen, braucht die Zeckenlarve eine Blutmahlzeit. Hierzu befällt sie bevorzugt Mäuse, Igel oder Eichhörnchen. Nach der Blutmahlzeit fallen die Larven vom Wirt ab und entwickeln sich nach einigen Wochen zur achtbeinigen Nymphe. Aufgrund der großen Anzahl an Nymphen, ihrer kleinen Körpergröße und ihrer Funktion als Krankheitsüberträger, hat dieses Zeckenstadium besondere Relevanz für den Menschen. Bei der Wahl des Opfers sind Nymphen nicht wählerisch: Vögel, Reptilien, Hasen, Igel und Menschen – die Speisekarte ist umfangreich. Nach einer erneuten Blutmahlzeit häutet sich die Nymphe und wird zur erwachsenen Zecke. Erst in diesem Entwicklungsstadium bildet sich das Geschlecht der Zecke aus.

Lediglich die Weibchen nehmen anschließend eine weitere größere Blutmahlzeit zu sich – als Grundlage für die Eiproduktion. Während des Saugaktes werden Zeckenweibchen von einem oder mehreren Männchen begattet. Die männlichen Zecken halten sich hierzu längere Zeit auf einem Wirt auf und können kleinere Blutmahlzeiten zu sich nehmen, um Energie für den anstrengenden Liebesakt zu tanken. Nach erfolgreicher Begattung verlässt ein Weibchen nach etwa 8 – 10 Tagen – so lange dauert der Saugakt – den Wirt zur Eiablage und der Lebenszyklus der Zecke beginnt von vorne.

Grafik: Der Lebenszyklus der Zecke

Wie alt werden Zecken?

Wie alt eine Zecke wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In erster Linie kommt es darauf an, wie viele Blutmahlzeiten eine Zecke im Laufe ihres Lebens zu sich nimmt. Schildzecken kommen auf gerade einmal drei ausgiebige Mahlzeiten, bis sie sich von einer Larve zur adulten Zecke entwickeln. Lederzecken dagegen kommen auf 8 – 10 Blutmahlzeiten, da diese mehr als ein Nymphenstadium haben und jedes Stadium aufs Neue Blut aufnehmen muss um sich zu häuten und das nächste Entwicklungsstadium erreichen zu können. Da die Phasen zwischen zwei Blutmahlzeiten durchaus drei bis fünf Jahre betragen können, werden Lederzecken bis zu 10 oder gar 15 Jahre alt. Der Gemeine Holzbock, die häufigste Zeckenart in Deutschland, wird in der Natur dagegen nur zwischen zwei und drei Jahren alt.

Wo leben  Zecken?

Zecken leben überall dort, wo schattige und feuchte Bedingungen vorherrschen. Zu ihren bevorzugten Lebensräumen zählen Tierpfade, Wegränder und Waldlichtungen sowie Übergangszonen von einer zur anderen Vegetation. Gleiches gilt für Wiesen in der Nähe von Gewässern. Doch auch in Gärten und Stadtparks machen sich Zecken zunehmend breit.

Die kleinen Blutsauger sind relativ wetterfühlig und benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit von durchgehend 80 – 85 Prozent. Im Frühjahr werden sie bereits ab einer Temperatur von etwas über 7 Grad Celsius am Boden aktiv. Wird diese Temperatur in Wintermonaten für mehrere Tage überschritten, kann es auch außerhalb der klassischen Zeckensaison zu Zeckenaktivität kommen.

In regenarmen Regionen bevorzugen Zecken Orte mit Buchen und Eichen. Das Laub dieser Bäume verrottet langsam und ist daher ein guter Feuchtigkeitsspeicher und ein optimales Winterquartier für Zecken. Auch Berge und luftige Höhen schützen nicht vor einer Begegnung mit den Spinnentieren: Erwachsene Zecken sind bis zu einer Höhe von deutlich über 1.000 Metern anzutreffen. Eine aktive Zecke sitzt meist an der Spitze von Gräsern und kann bis zu einer Höhe von 1,20 Meter bis 1,50 Meter vorkommen.

Der Zeckenbiss: schmerzfrei aber gefährlich

Zecken bespringen ihre Opfer nicht und lassen sich ebenso wenig vom Baum fallen. Eine Zecke lässt sich im Vorbeigehen vielmehr durch ihre Krallen an den Vorderbeinen abstreifen und hält sich dank ihrer Klauen am Wirt fest. Im Gegensatz zu Stechmücken, die ihr Opfer direkt nach der Landung stechen, können Zecken stundenlang mit der Suche nach einer geeigneten Einstichstelle verbringen. Mithilfe ihrer scharfkantigen Mundwerkzeuge ritzt die Zecke die Haut des Wirts auf und versenkt ihren mit Wiederhaken versehenen „Stechrüssel“ im Gewebe des Opfers. In der Einstichstelle sammelt sich Blut. Damit das Blut nicht gerinnt, gibt die Zecke über ihren Speichel spezielle Inhaltsstoffe ab. Dieses Speichel-Blutgemisch saugt sie immer wieder ab.

Das Perfide beim Zeckenbiss: Dank Wiederhaken am Stechrüssel verankert sich die Zecke fest in ihrem Opfer. Zusätzlich befindet sich im Speichel von Zecken eine schmerzlindernde Substanz – der Zeckenbiss bleibt also unbemerkt. Einzigartig bei Zecken: Eine durchschnittliche Blutmahlzeit kann bei Weibchen zwischen 6 bis 10 Tagen dauern. Hierbei nehmen sie das 100 – 200-Fache ihres ursprünglichen Körpergewichts zu.

Infografik: Zunahme einer Larve (Zecke) nach Blutmahlzeit
Grafik: Zunahme Nymphe (Zecke) nach Blutmahlzeit
Grafik: Größenzunahme der Zecke nach 6-10 Tagen.

FSME und Borreliose: Zecken als Krankheitsüberträger

Was die Zecke zu einem gefährlichen Parasiten macht, ist ihre Funktion als sogenannter Vektor – also als Überträger von Krankheitserregern. Ist ein Wirtstier der Zecke mit Krankheitserregern befallen, kann die Zecke diese beim Saugakt aufnehmen und an andere Tiere und Menschen weitergeben ohne selbst zu erkranken. Zu den häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen zählen die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Daneben können auch andere Erkrankungen wie die Babesiose oder die bakterielle Infektionskrankheit Anaplasmose übertragen werden. Gerade die Borreliose und die FSME können beim Menschen zu schweren Krankheitsverläufen führen.

Zecken entfernen: Wie es richtig geht

Sollten Sie einen Zeckenbiss bei sich bemerkt haben, gilt: die Zecke so zeitnah wie möglich entfernen! Dies ist wichtig, da  – mit Ausnahme des FSME-Virus  – die Krankheitserreger erst nach mehreren Stunden des Blutsaugens übertragen werden. Entfernen Sie Zecken immer möglichst hautnah und vermeiden Sie ein Quetschen des Zeckenkörpers. Bei der Zeckenentfernung kann auf Hilfsmittel wie die Zeckenzange, Zeckenkarte oder Pinzette zurückgegriffen werden. Selbst mit den Fingernägeln lassen sich die kleinen Vampire meist gut entfernen.

Was, wenn der „Kopf“ der Zecke stecken bleibt?

Beim Entfernen der Zecke kann es durchaus passieren, dass Teile der Zecke in der Haut stecken bleiben. Hierbei handelt es sich allerdings nicht, wie irrtümlich häufig angenommen, um den Kopf der Zecke, sondern um abgebrochene Teile des Hypostoms. Der Körper stößt diese üblicherweise nach einiger Zeit auf natürliche Weise ab. Eine Gefahr für den Betroffenen besteht in der Regel nicht.

Was, wenn eine Rötung am Zeckenbiss auftritt?

Generell gilt: Merken Sie sich die Körperstelle und den Zeitpunkt des Zeckenbisses. Kontrollieren Sie nach einigen Wochen, ob eine Veränderung an der Einstichstelle festzustellen ist. Tritt eine wachsende Hautrötung, die sogenannte Wanderröte, auf, konsultieren Sie umgehend einen Arzt. Gleiches gilt beim Auftreten von Fieber. Eine Wanderröte deutet auf eine mögliche Erkrankung an einer Lyme-Borreliose hin.

Der richtige Zeckenschutz: Worauf es ankommt

Mit einigen einfachen Tricks lässt sich die Gefahr eines Zeckenbisses deutlich reduzieren:

  • Tragen Sie helle Kleidung. So lassen sich Zecken besser erkennen,
  • Sofern es das Wetter zulässt: lange Hosen tragen und die Hosenbeine in die Socken stecken,
  • Unmittelbar nach einem Aufenthalt im Grünen: gründlich Absuchen, auch untern den Achseln, im Intimbereich und auf dem Kopf,
  • Verwenden Sie zeckenabwehrende Mittel, sogenannte Repellents. Aber Vorsicht: Die Effektivität und Wirkdauer unterscheidet sich mitunter erheblich und Repellents bieten auch keinen absoluten Schutz vor Zecken.

Bei Risikogruppen empfiehlt sich darüber hinaus eine Impfung gegen die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).