FSME-Risikogebiete: In diesen Landkreisen ist Vorsicht geboten

FSME ist eine von Zecken übertragene Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute. Ihr Auslöser ist das FSME-Virus, das vor allem in Süddeutschland vorkommt. Anhand der Erkrankungszahlen weist das Robert-Koch-Institut (RKI) jährlich bestimmte Landkreise als FSME-Risikogebiete  aus. Den Bewohnern wird eine FSME-Impfung empfohlen und von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Auf zecken-radar.de erfahren Sie, wie sich ein Risikogebiet in Deutschland definiert und wo sonst noch Vorsicht geboten ist.

Wo liegen FSME-Risikogebiet in Deutschland?

Das Risiko für eine FSME-Infektion besteht in Deutschland vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Es sind die beiden am stärksten betroffenen Bundesländer. Auf FSME-Risikokarten erscheinen sie beinahe flächendeckend rot. Aber auch Südhessen, das südöstliche Thüringen und Sachsen sind betroffen.  Vereinzelte FSME-Risikogebiete kommen auch im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Mittelhessen, Niedersachsen und erstmals seit diesem Jahr in Brandenburg (die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree und Spree-Neiße) und Nordrhein-Westfalen (Stadtkreis Solingen) vor.

2022 gelten in Deutschland 175 Land- bzw. Stadtkreise als FSME-Risikogebiete. Im FSME-Rekordjahr 2020 wurde mit 704 FSME-Erkrankungen die bislang höchste Anzahl an FSME-Erkrankungen seit fast 20 Jahren registriert. Im Jahr 2021 wurden insgesamt 390 FSME-Erkrankungen übermittelt. Und vier neue Risikogebiete gab es auch im Vergleich zum Vorjahr.¹

2022: Vier neue FSME-Risikogebiete in Deutschland:

  • der Landkreis Oberspreewald-Lausitz (Brandenburg)
  • der Landkreis Oder-Spree (Brandenburg)
  • der Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg)
  • der Stadtkreis Solingen (Nordrhein-Westfalen)
Deutschlandkarte mit einer Zecke

Wie ist ein FSME-Risikogebiet definiert?

Die FSME ist eine meldepflichtige Erkrankung. Die gemeldeten Erkrankungszahlen bilden die Basis der jährlichen Risikobewertung des Robert-Koch-Instituts. Ein Kreis gilt als FSME-Risikogebiet, wenn in einem Zeitraum von 5 Jahren mehr als 5 FSME-Fälle pro 100.000 Einwohner registriert werden. Der Status als FSME-Risikogebiet gilt für zwanzig Jahre. In einer aktuellen Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins definiert das RKI ein FSME-Risikogebiet wie folgt: „Ein Kreis wird als FSME-Risikogebiet definiert, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen in mindestens einem der 16 Fünfjahreszeiträume im Zeitraum 2002 – 2021 im Kreis ODER in der Kreisregion (bestehend aus dem betreffenden Kreis plus allen angrenzenden Kreisen) signifikant (p < 0,05) höher liegt als die bei einer Inzidenz von 1 Erkrankung pro 100.000 Einwohner erwartete Fallzahl.“.¹

Zum Vergleich: Bei der Borreliose zeigen erste Meldedaten eine Inzidenz  von 48,8 Fällen pro 100.000 Einwohner.²

Zusätzlich untersuchen Forscher die Zecken selbst auf einen Befall mit FSME-Viren. Da die Erkrankungszahl beim Menschen grundsätzlich auch von der FSME-Impfquote abhängt (läge diese bei 100 Prozent, gäbe es theoretisch keine Erkrankungsfälle mehr), liefert diese Methode wichtige Zusatzinformationen über die tatsächliche Gefahr.  Dabei zeigt sich, dass in FSME-Risikogebieten 0,1 bis 3 Prozent der Zecken das FSME-Virus in sich tragen können. Hinzu kommt, dass erwachsene Zecken häufiger Träger von Erregern sind als Larven oder Nymphen, da sie die meisten Blutmahlzeiten hinter sich haben und damit auch die größte Wahrscheinlichkeit der Erregeraufnahme beim Blutsaugen besitzen.

Interaktive FSME-Risikokarte (Stand März 2022)

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FSME-Risikogebiete gemäß Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin, 3. März 2022 / Nr. 9

Was hat es mit den gelben Gebieten auf sich?

Im Internet gibt es FSME-Risikokarten, auf denen neben den offiziellen RKI-Risikogebieten auch einzelne Landkreise gelb eingefärbt sind. Es handelt sich dabei um Kreise mit so genannten FSME-Einzelfällen. Die Zahl der Erkrankten in diesen Gebieten reicht nicht aus, um nach der Definition des RKI zu einem FSME-Risikogebiet zu werden. Zudem besteht bei diesen Einzelfällen folgende Schwierigkeit: Häufig kann nicht zweifelsfrei ermittelt werden, wo genau sich die betreffende Person tatsächlich mit dem Virus infiziert hat (Infektionsort). Damit ist oft unklar, ob die FSME tatsächlich vor Ort vorkommt (so genannter „autochthoner FSME-Fall“) oder sich der Betroffene die Krankheit durch einen unbemerkten Zeckenstich bei einem Aufenthalt in einem der bekannten Risikogebiete im In- oder Ausland zugezogen hat. Gebiete mit Einzelfällen erfüllen nicht die Definition des RKI für ein Risikogebiet. Demnach gilt laut RKI hier auch keine Impfempfehlung.

Es gibt aber auch Bundesländer ohne Risikogebiete, in denen dennoch einzelne autochthone FSME-Erkrankungen vorkommen. Zu diesen Bundesländern zählen Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Lediglich in Bremen und Hamburg wurden bisher noch keine autochthonen FSME-Fälle gemeldet.

Wer sollte sich impfen lassen?

Das RKI empfiehlt Menschen, die in einem FSME-Risikogebiet leben und sich in der Natur aufhalten, eine Impfung gegen FSME. Gleiches gilt für Personen, die sich aus beruflichen oder anderen Gründen in einem solchen Gebiet aufhalten – also zum Beispiel für Pendler und Reisende – sofern sie mit Zecken in Kontakt kommen können.

Worauf müssen Reisende achten?

Viele FSME-Risikogebiete liegen in beliebten deutschen Urlaubsregionen wie dem Bodensee oder dem Bayerischen Wald. Wer dorthin reist, sollte rechtzeitig über eine Impfung nachdenken. Vor allem, wenn ein naturnaher Urlaub geplant ist, zum Beispiel Camping oder eine Wandertour.

Quellen

  1. RKI: Epidemiologisches Bulletin, 3. März 2022 / Nr. 9
  2. RKI: Epidemiologisches Bulletin 23. Februar 2015 / Nr.  8

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