Infektionsgefahr: Zecken übertragen Krankheiten auf Hunde

Werden Hunde von einer Zecke gestochen, können die Blutsauger über ihren Saugapparat verschiedene Krankheitserreger auf die Haustiere übertragen: darunter die Erreger von Krankheiten wie Borreliose, Babesiose (die sog. „Hundemalaria“), Ehrlichiose, Anaplasmose oder FSME.

Zecken beim Hund: Gefahr der Krankheitsübertragung

Beim Zeckenstich können Viren, Bakterien oder Einzeller auf Hunde übertragen werden, die bei den Hunden verschiedene Krankheiten auslösen können. Die meisten dieser Infektionskrankheiten zeichnen sich durch zunächst unspezifische Symptome wie z.B. Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit oder Gewichtsverlust des Hundes aus. Hundehalter merken erst gar nicht, dass ihr Tier krank ist, weshalb eine Krankheit häufig nicht oder erst spät diagnostiziert wird. Gehen Hundehalter dann zu einem Tierarzt, weil mit dem Hund irgendetwas nicht stimmt, ist es eine wichtige Information für den Arzt, ob der Hund zuvor von einer Zecke gestochen wurde. Damit kann der Tierarzt geeignete labormedizinische Untersuchungen einleiten. Zecken-Radar informiert im Folgenden über von Zecken übertragene Krankheiten: welche Zecken sind die Überträger? Welche Erreger lösen die Krankheitssymptome aus? Wie ist der Krankheitsverlauf? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die von Zecken auf Hunde übertragbaren Krankheiten im Einzelnen

REM-Aufnahme von Lyme-Borreliose Bakterien

Lyme-Borreliose bei Hunden

  • Bezeichnung der Krankheit: Lyme-Borreliose. Die Krankheit kann bei Hunden mit sehr unterschiedlichem Schweregrad und unterschiedlicher Dauer auftreten.
  • Erreger: das schraubenförmige Bakterium „Borrelia burgdorferi
  • Überträger: der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), die häufigste Zeckenart in Deutschland; Veterinärmediziner gehen davon aus, dass in Deutschland im Schnitt jede dritte Zecke Borreliose-Bakterien in sich trägt.
  • Krankheitssymptome: Fieber, wechselnde Lahmheiten, Gelenkschwellungen, Lethargie, Appetitlosigkeit. Mitunter vergehen Monate nach dem Zeckenstich, bis die Tiere Symptome zeigen. Darunter können Entzündungen verschiedener Gelenke sein; besonders die Gelenke an den Vorder- und Hinterläufen können stark anschwellen. Der Hund hat Schmerzen und lahmt – vor allem nach dem Aufstehen. Ebenso können bei Borreliose das Nervensystem und diverse Organe betroffen sein.
  • Diagnose und Erregernachweis: Die Erreger werden mit einer Blutuntersuchung nachgewiesen. Wer sichergehen will, ob sein Hund an Borreliose leidet, kann bei entsprechender Symptomatik bei seinem Tierarzt einen Test veranlassen.
  • Behandlung: Bestätigt der Test den Borreliose-Verdacht, behandelt der Tierarzt den Hund mit Antibiotika. Allerdings ist eine Antibiotika-Therapie nicht immer erfolgreich und schützt nicht vor einer erneuten Ansteckung beim nächsten Zeckenstich.
  • Borreliose-Vorbeugung durch Impfung: Für Hunde gibt es einen Impfstoff gegen Borreliose (im Gegensatz zum Menschen). Die Ständige Impfkommission für Tiere (StikoVet) empfiehlt, gefährdete Hunde, die aufgrund ihrer Haltungsbedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit Kontakt zu Zecken haben, impfen zu lassen. Für eine vollständige Immunisierung gegen Borrelia burgdorferi folgen der Erstimpfung ab einem Alter von 12 Wochen eine zweite Impfung 3-5 Wochen später, eine dritte Impfung sechs Wochen nach der Erstimpfung und eine vierte Impfung ein Jahr nach Beginn der Impfserie. Empfohlen wird danach eine jährliche Wiederholungsimpfung jeweils vor Beginn des Höhepunktes der Zeckenaktivität ca. im März / April.1
Aufnahme: Babesiose (eingefärbt) unter einem Lichtmikroskop

Babesiose („Hundemalaria“) 

  • Bezeichnung der Krankheit: Babesiose; die Babesiose wird häufig auch als „Hunde-Malaria“ bezeichnet, da die Symptome denen der Malaria ähneln.
  • Erreger: kleine einzellige Parasiten, die „Babesien“; unterschiedliche Babesien-Arten kommen weltweit vor;  die wichtigste Art bei der Hunde-Babesiose ist Babesia canis
  • Überträger: In Deutschland überträgt die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) die Babesiose (ursprünglich ist das Hauptverbreitungsgebiet der Auwaldzecke der Mittelmeerraum, Nordafrika, und die wärmeren Länder Südeuropas; mittlerweile findet man die Auwaldzecke zunehmend auch in Ungarn, Österreich und in Deutschland).
  • Krankheitssymptome zeigen sich nach einer Babesien-Infektion in einem variablen Zeitraum zwischen 10 Tagen bis drei Wochen. Die Babesien befallen und zerstören rote Blutkörperchen, weshalb erkrankte Hunde an Blutarmut leiden können; daneben kann Fieber, Appetit- und Antriebslosigkeit oder Gelbsucht auftreten; bei schweren Verläufen kann die Babesiose auch zu Multiorganversagen und Tod des Hundes führen.
  • Diagnose und Erregernachweis: molekularbiologische Nachweismethoden
  • Behandlung: Babesiose beim Hund wird mit sog. „Antiprotozoika“ behandelt, d.h. Wirkstoffe, die sich gegen Einzeller (Fachbegriff „Protozoen“) richten.
Aufnahme: Ehrlichiose (eingefärbt) unter Lichtmikroskop

Ehrlichiose

  • Bezeichnung der Krankheit: Ehrlichiose („canine monozytäre Ehrlichiose“).
  • Erreger: kugelförmiges Bakterium Ehrlichia canis; Ehrlichia-Infektionen treten weltweit in tropischen und subtropischen Regionen auf, in Europa im gesamten Mittelmeerraum. In Deutschland haben Mediziner mittlerweile auch vereinzelte Ehrlichia-Infektionen nachgewiesen.
  • Überträger: Als Überträger kommen mehrere Zeckenarten wie zum Beispiel die Braune Hundezecke (Ripicephalus sanguineus) infrage. Generell können sich alle Hunderassen infizieren, vor allem gefährdet sind jedoch Welpen.
  • Krankheitssymptome sind u.a. Fieber, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust oder Störungen des Nervensystems; die Symptome treten in aller Regel ein bis drei Wochen nach einer Infektion durch einen Zeckenstich auf.
  • Diagnose und Erregernachweis: eine Infektion mit Ehrlichien wird mit molekularbiologischen Labormethoden und / oder dem Nachweis von Antikörpern im Blut des Hundes gegen die Erreger nachgewiesen.
  • Behandlung: Behandelt wird mit Antibiotika; die Infektion lässt sich in ihrer anfänglichen, akuten Phase gut behandeln; anders ist es, wenn die Infektion lange unentdeckt geblieben und chronisch geworden ist.
Aufnahme: Anaplasmose (eingefärbt) unter einem Lichtmikroskop

Anaplasmose

  • Bezeichnung der Krankheit: Anaplasmose (früher auch als „Canine granulozytäre Ehrlichiose“ bezeichnet).
  • Erreger: verschiedene Bakterien der Gattung Anaplasma, die Blutzellen ihrer Wirte befallen.
  • Überträger: verschiedene Zeckenarten, u.a. der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), die häufigste Zeckenart in Deutschland.
  • Krankheitssymptome: die Krankheit verläuft bei Hunden oft ohne Symptome;  Anaplasmen können aber auch schwere Krankheitsverläufe auslösen, die sich mit Fieber, Appetit- und Antriebslosigkeit, Lahmheiten, Gelenkschwellungen oder Störungen des Nervensystems beim Hund äußern können. Die Symptome treten in aller Regel ein bis drei Wochen nach einer Infektion auf.
  • Diagnose und Erregernachweis: der Erregernachweis erfolgt entweder durch Anaplasmen-Direktnachweis im Blutausstrich oder durch molekularbiologische Analysemethoden im Blut oder dem Knochenmark betroffener Hunde.
  • Behandlung: mit Antibiotika.
Aufnahme: FSME-Virus

Frühsommer-Meningoenzephalitis: Zecken als Krankheitsüberträger

  • Bezeichnung der Krankheit: Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
  • Erreger: FSME-Virus (die Viren können nicht nur Menschen, sondern auch Hunde befallen).
  • Überträger: Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus), die häufigste Zeckenart in Deutschland.
  • Krankheitssymptome: FSME-Infektionen bei Hunden sind seit Jahrzehnten bekannt, werden aber eher selten diagnostiziert; auch scheinen Hunde nach einer FSME-Infektion seltener Erkrankungssymptome zu zeigen als Menschen1. Zeigen infizierte Hunde Symptome, können dies Fieber, Abgeschlagenheit oder Appetitlosigkeit sein. Bei schwereren Krankheitsverläufen können neurologische Störungen (Bewegungsstörungen oder Bewusstseinstrübungen) oder Verhaltensauffälligkeiten (Aggressivität oder Übererregbarkeit) auftreten, die häufig mit dem Tod des Tieres enden.
  • Diagnose und Erregernachweis: die Diagnose erfolgt beim Tierarzt, der die FSME-Viren mit molekularbiologischen Methoden nachweisen kann.
  • Behandlung: Tierärzte haben bei der FSME nur die Möglichkeit, die Symptome der Krankheit zu behandeln (im Gegensatz zum Menschen gibt es bislang keinen Impfstoff gegen FSME für Hunde).

Quelle

  1. vgl. Klaus, Christine et al. (2016): „Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus-Infektionen bei Tieren – Klinik, Diagnostik und epidemiologische Bedeutung“. Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift. Schlütersche Verlagsgesellschaft. DOI 10.2376/0005-9366-16062.