FSME-Gefahr nach Zeckenstich

Die FSME ist eine schwerwiegende Erkrankung und wird von Zecken übertragen.  Sie äußert sich meist als Hirnhautentzündung und kann schwere Folgeschäden nach sich ziehen. Medikamente gegen das FSME-Virus gibt es nicht. Da die FSME vor allem in sogenannten FSME-Risikogebieten in der Südhälfte Deutschlands vorkommt, empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI) Menschen in diesen Regionen eine vorbeugende Impfung. Im Gegensatz zur Borreliose ist die FSME aber eine sehr seltene Erkrankung.

Ein Zeckenstich ist schnell passiert: Ein Picknick im Grünen, ein Waldlauf, ein Spaziergang mit dem Hund – und schon hat sich eines der unbeliebten Spinnentiere in der Haut festgebissen. Im besten Fall wird die Zecke schnell entdeckt, sachkundig entfernt und der Stich bleibt folgenlos. Leider gibt es Ausnahmen.

Was bedeutet „FSME“

Die Abkürzung FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Experten weisen allerdings immer wieder darauf hin, wie missverständlich diese Bezeichnung ist. Denn die FSME kann zu jedem Zeitpunkt vorkommen, wenn Zecken aktiv sind. Egal ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder sogar in milden Wintern.

Wie häufig ist die FSME?

Im Vergleich zur Borreliose ist die FSME zwar die meist schwerwiegender verlaufende Krankheit, sie ist aber auch vergleichsweise selten. Da es sich um eine meldepflichtige Erkrankung handelt, erfasst das Robert-Koch-Institut die jährlichen Erkrankungsfälle. Die Fallzahlen schwanken von Jahr zu Jahr. Im Schnitt verzeichnet das RKI jährlich ca. 300 Fälle. 2017 war ein vergleichsweise starkes FSME-Jahr mit 476 Fällen. Zum Vergleich: Bei der Borreliose gibt es zwar keine genauen Zahlen, man geht  aber von ca. 100.000 Fällen pro Jahr aus.

Experten beziffern die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenstich in einem Risikogebiet an FSME zu erkranken, mit 1 zu 150.¹

Grafik: Entwicklung der FSME-Fälle in den letzten 10 Jahren,.

Was sind FSME-Verbreitungsgebiete?

Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden wichtigsten Erkrankungen durch Zecken: Während die Lyme-Borreliose Deutschlandweit auftritt, kommt die FSME vor allem in bestimmten Gebieten vor. Diese Verbreitungsgebiete oder Risikogebiete befinden sich vorwiegend in der Südhälfte Deutschlands. Betroffene Bundeländer sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg. Hinzu kommen Teile von Thüringen und Südhessen sowie einzelne Kreise im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

FSME-Risikogebiete in Deutschland

Quelle: Epidemiologisches Bulletin Nr. 17, 26. April 2018

Fieber nach Zeckenstich

In seltenen Fällen entwickeln Betroffene nach dem Stich einer Zecke zunächst grippeähnliche Symptome und Fieber. Hinzukommen können Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Die Beschwerden beginnen einige Tage nach dem Stich. So lange dauert die Inkubationszeit der FSME – also die Phase zwischen der Ansteckung mit dem Virus und dem Ausbruch der Krankheit. In dieser Zeit vermehrt sich das Virus im Körper. Das Immunsystem des Betroffenen beginnt, spezifische Antikörper zu entwickeln, mit denen es das Virus bekämpft.

In manchen Fällen ist das Immunsystem mit seiner Abwehrstrategie so erfolgreich, dass die FSME danach ausgestanden ist. Häufig wird diese Form mit einem gewöhnlichen Infekt verwechselt und folglich nicht als FSME erkannt und gemeldet.

Bei der klassischen FSME entwickelt sich nach der ersten Krankheitsphase ein zweiter Schub, der wesentlich heftiger ausfällt. Das passiert, wenn es dem Virus gelingt, in das Nervensystem des Erkrankten zu gelangen. Dabei steigt das Fieber über 38 Grad, die Kopfschmerzen nehmen zu, der Nacken wird steif. Da zwischen der ersten und der zweiten Krankheitsphase eine beschwerdefreie Zeit von mehreren Tagen liegt, spricht man von einem „biphasischen Verlauf.“

Die zweite Phase ist dabei die eigentlich gefährliche. Das Virus hat seinen Weg in das Nervensystem gefunden und löst dort eine Hirnhautentzündung (Meningitis) aus. Sogar Gehirnentzündungen  (Meningoenzephalitis) und Entzündungen des Rückenmarks (Enzephalomyelitis) sind möglich. Schätzungen zufolge verlaufen rund 50 Prozent aller FSME-Erkrankungen als Meningitis, 40 Prozent als Meningoenzephalitis und 10 Prozent als Enzephalomyelitis.¹

Was sind die Anzeichen einer FSME?

Die klassische FSME ist eine Hirnhautentzündung und macht mit folgenden Symptomen auf sich aufmerksam:

  • Hohes Fieber (über 38 Grad)
  • Starke Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Starkes Krankheitsgefühl

Breitet sich das Virus bis ins Gehirn oder Rückenmark aus, können weitere Symptome hinzukommen:

  • Bewusstseinstrübungen
  • Sprach- und Schluckstörungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Psychische Veränderungen
Grafik: Auswirkungen einer FSME: Fieber
Grafik: Auswirkungen einer FSME - Abgeschlagenheit
Grafik: Auswirkungen einer FSME - Kopfschmerzen
Grafik: Folgen einer FSME - Nackensteifigkeit
Grafik: FSME Auswirkungen auf das Gehirn

Was tun bei Verdacht auf FSME?

Wenn einige Tage nach einem Zeckenstich Fieber auftritt, sind viele Menschen verständlicherweise besorgt. Bitte denken Sie in dieser Situation daran: Die FSME ist nach wie vor eine seltene Erkrankung. Harmlose Infekte kommen im Verhältnis viel häufiger vor. Trotzdem sollten Sie bei Fieber nach einem Zeckenstich einen Arzt aufsuchen. Wichtig: Informieren Sie den Arzt, dass Sie von einer Zecke gestochen worden sind – auch wenn er vielleicht nicht danach fragt.

Wie wird die FSME festgestellt?

Bei Verdacht auf FSME wird der Arzt zunächst die Krankengeschichte erheben. Er fragt nach den aufgetretenen Symptomen, dem Zeitpunkt ihres Auftretens und ihrer Stärke bzw. Intensität. Erhärtet sich der Verdacht auf FSME, wird eventuell eine Untersuchung des Nervenwassers angeordnet. Dabei wird mit einer Nadel Flüssigkeit aus dem unteren Rücken entnommen.

Im Nervenwasser, auch bekannt als Liquor, lässt sich bei einer Infektion das FSME-Virus nachweisen.

Ist FSME behandelbar?

Gegen das Virus selbst gibt es keine spezifischen Medikamente. Das bedeutet, dass die FSME nicht ursächlich behandelt werden kann, sondern nur symptomatisch. Dazu gibt es fiebersenkende und schmerzstillende Mittel. Bei den meisten Menschen ist ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich.

In den allermeisten Fällen schafft es der Körper, mit dem Virus fertig zu werden. Todesfälle sind sehr selten. Folgeschäden sind nicht auszuschließen, selbst wenn die FSME scheinbar ausgestanden ist. Patienten berichten von anhaltenden Lähmungen, Sprach- und Schluckbeschwerden oder Gleichgewichtsstörungen. Einer Langzeitstudie zufolge betreffen diese Spätfolgen 50 Prozent der schwer erkrankten Patienten.³

Was viele nicht wissen: Bei Kindern verläuft die FSME in der Regel weit weniger schwerwiegend als bei Erwachsenen – meist bleibt es hier bei Phase I. Je älter der Patient ist, desto gefährlicher wird die FSME.

Wie kann man sich vor FSME schützen?

Bei den meisten von Zecken übertragenen Erkrankungen gilt: Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Erkrankungsrisiko. Bei der FSME ist es damit nicht getan. Denn das Virus lebt in den Speicheldrüsen der Zecke. Da beim Zeckenbiss unmittelbar Speichel in die Wunde gelangt, überträgt sich das Virus sofort.

Wichtig ist daher, Zeckenstiche von vornherein zu verhindern. Dazu eignen sich unter anderem zeckenabweisende Mittel (Repellents), geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk.

Bild eines Impfpasses

FSME-Impfung

Der effektivste Schutz vor FSME ist eine Impfung. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt die Impfung für Menschen, die in einem Risikogebiet leben und dem Risiko eines Zeckenstiches ausgesetzt sind, etwa weil sie sich oft in der Natur aufhalten. Auch Menschen, die in Risikogebiet im In- oder Ausland reisen, sollten eine Impfung in Erwägung ziehen – besonders bei naturnahem Urlaub wie Wandern oder Campen.

Quellen

  1. Kaiser R.: Frühsommermeningoenzephalitis, Der Nervenarzt 2016;87(6):667-80.
  2. Kaiser, R.: Langzeitprognose bei primär myelitischer Manifestation der FSME – eine Verlaufsanalyse über 10 Jahre, Der Nervenarzt 2011

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