Das FSME-Virus

FSME wird von Zecken übertragen, die mit dem FSME-Virus infiziert sind. Das Virus gehört zur Gruppe der Flaviviren und wird beim Saugakt auf den Wirt übertragen. Beim Infizierten kann das FSME-Virus eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute und des Rückenmarks auslösen.  Gegen das FSME-Virus gibt es keine Medikamente. Mit einer Impfung lernt das Immunsystem, das FSME-Virus mit speziellen Antikörpern zu bekämpfen.

Die Abkürzung FSME

Der abgekürzte Name ist für den Laien allerdings wenig aufschlussreich. FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine besondere Form der Gehirn- oder Hirnhautentzündung. Leider ist der Zusatz „Frühsommer“ für Mittel- und Nordeuropa irreführend, denn der Gemeine Holzbock, die häufigste einheimische Zecke, überträgt den Erreger im Frühjahr, im Sommer und im Herbst – und sogar im Winter, wenn es für längere Zeit mild ist und die Zecken aktiv sind. Der Begriff entspricht der Bezeichnung für die russische Form der Erkrankung (RSSE – Russian Spring-Summer-Encephalitis), bei der der Überträger, die Taigazecke (Ixodes persulcatus), in der Tat nur im späten Frühjahr und im Frühsommer aktiv ist. Für Mitteleuropa also kein gut gewählter Name.

Übertragung des FSME-Virus durch Zeckenstich

Das FSME-Virus gehört zur Gruppe der Flaviviren (wie auch das Gelbfieber-Virus und das Dengue-Virus). Es zirkuliert im Freiland unabhängig vom Menschen in sog. Naturherden zwischen bestimmten Zecken und bestimmten Wirten dieser Zecken (Wildtiere wie Mäuse, Igel etc.).

Das Virus befindet sich in der infizierten wirtsuchenden Zecke in den Speicheldrüsen. Diese gibt schon beim Einstechen in die Haut virushaltigen Speichel ab. Deshalb kann eine FSME-Infektion selbst dann erfolgt sein, wenn die saugende Zecke bereits nach wenigen Stunden bemerkt und entfernt wird.

Übertragung des FSME-Virus durch Nahrungsmittel

Auch Rinder, Schafe und Ziegen können sich durch einen Zeckenstich mit dem FSME-Virus infizieren. Die weiblichen Tiere scheiden das Virus dann eine Zeitlang mit der Milch aus. Ohne erfolgte Hitzebehandlung können Milch und daraus hergestellte Milchprodukte (z.B. Käse) das FSME-Virus enthalten. Solch eine über die Nahrung erfolgte Infektion (sogenannte alimentäre Infektion) kann beim Menschen ebenfalls zu einer FSME führen, was in Deutschland glücklicherweise nur selten vorkommt.

Wo kommt das FSME-Virus vor?

Die Hauptverbreitungs- und -risikogebiete der FSME in Deutschland liegen im Süden: in Bayern und Baden-Württemberg. Zudem gelten einige Landkreise in Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen als Risikogebiete. Einzelne FSME-Fälle und infizierte Zecken wurden aber auch aus anderen Bundesländern nachgewiesen. In der Regel können 0,1% bis zu 3% des Gemeinen Holzbocks in einem FSME-Risikogebiet Virusträger sein. Häufig liegt die Infektionsrate der Zecken in einem FSME-Gebiet allerdings unter 1%.

FSME-Risikogebiete in Deutschland

FSME-Infektion beim Menschen

Gelangt das Virus durch einen Zeckenstich in den Blutkreislauf des Menschen, vermehrt es sich dort. Der menschliche Körper erkennt den Eindringling und reagiert nach einigen Tagen mit der Bildung von spezifischen Antikörpern, die das Virus gezielt bekämpfen. Es kommt zu einem Wettlauf zwischen Virus und Immunsystem, der sich über mehrere Tage in Fieber und den typischen Merkmalen eines grippalen Infekts äußert (unspezifische „Sommergrippe“ mit Glieder- und Kopfschmerzen, Schwäche- und Krankheitsgefühl etc.). Gelingt es dem Immunsystem, die Viren abzutöten, bevor diese in das Nervensystem eindringen, ist die Infektion ausgestanden. In seltenen Fällen gelangt das Virus ins Nervensystem, und es kommt zu einer Form der Hirnhautentzündung oder in schweren Fällen auch Gehirn- oder Rückenmarksentzündung, der eigentlichen FSME.

Krankheitsverlauf der FSME

Der erste Fieberschub im Verlauf des grippeartigen Infekts setzt einige Tage nach dem Zeckenstich ein und hält mehrere Tage an. Die grippalen Symptome und das Fieber klingen ab, häufig ist das Problem damit erledigt. Ist es dem Virus jedoch gelungen, ins Nervensystem einzudringen, folgt auf den ersten Fieberschub zunächst eine fieber- und beschwerdefreie Phase, in der sich das Virus im Verborgenen allmählich vermehrt und anreichert. Erst danach beginnt die eigentliche FSME – meist in Form einer stark fiebrigen Hirnhautentzündung. FSME ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die leichter oder auch schwerer verlaufen kann. In aller Regel ist ein Krankenhausaufenthalt nötig; Genesung und Rekonvaleszenz können mehrere Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen. Es gibt auch seltene Fälle mit Spätfolgen. Zudem verlaufen statistisch etwa 1% der schweren FSME-Erkrankungsfälle (2. Erkrankungsphase) in Mitteleuropa tödlich.

Wer einmal eine FSME durchgemacht hat, ist lebenslang immun.

FSME-Virus kann nicht mit Medikamenten bekämpft werden

Es gibt keine Medikamente, mit denen das FSME-Virus bei einer Infektion direkt bekämpft werden kann. Die medizinische Behandlung umfasst im Wesentlichen funktionsstützende und in schweren Fällen lebenserhaltende Maßnahmen (z.B. künstliche Beatmung).

Alle Maßnahmen, die bei Aufenthalt in einem FSME-Endemiegebiet (in einem Gebiet, in dem das Virus vorkommt) die Wahrscheinlichkeit eines Zeckenstichs senken, reduzieren auch das Risiko, sich mit dem FSME-Virus zu infizieren. Einen sicheren Schutz gegen die FSME bietet allerdings nur eine FSME-Schutzimpfung.

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