Zecken in Deutschland

Alle Zecken sind blutsaugende Parasiten von Wirbeltieren. Zurzeit sind weltweit etwa 950 Arten bekannt. In Deutschland kommen etwa 20 Zeckenarten vor. Zwei davon gehören der Familie der Lederzecken an, alle anderen der Familie der Schildzecken.

Alle Zecken sind blutsaugende Parasiten von Wirbeltieren. Zurzeit sind weltweit etwa 950 Arten bekannt. Innerhalb der Klasse der Spinnentiere gehören sie zu den Milben. Während die meisten Zeckenarten als Parasiten von wildlebenden Reptilien, Vögeln oder Säugetieren ein ziemlich verborgenes Dasein führen, stellen etwa 10% aller Zeckenarten als Überträger von Krankheitserregern auf den Menschen oder seine Nutztiere ein zum Teil gravierendes Problem dar. Zu dieser Gruppe gehört der in Deutschland häufig vorkommende Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus).

Zecken können Viren, Bakterien, einzellige Parasiten, Pilze und bestimmte Würmer (Nematoden) beherbergen, die sie mit dem Stich auf ihre Wirte übertragen und bei ihnen unter Umständen Krankheiten auslösen können. Die in Mitteleuropa bekanntesten Krankheiten sind in diesem Zusammenhang die bakterielle Lyme-Borreliose und die virale Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Einheimische Nutztiere, Rinder und Schafe leiden nach Zeckenstich gelegentlich unter einzelligen Parasiten (Babesien). Hunde können nach dem Stich einer infektiösen Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) an der Hundebabesiose erkranken (Erreger: Babesia canis).

In Deutschland kommen etwa 20 Zeckenarten vor. Zwei davon gehören der Familie der Lederzecken an, alle anderen der Familie der Schildzecken. Zusätzlich gibt es einige Arten, die mit Zugvögeln aus dem Süden alljährlich nach Mitteleuropa vordringen (z.B. Hyalomma marginatum), aber sie haben es bisher nicht geschafft, sich hier zu etablieren.

Von den Zeckenarten, die den Menschen häufig oder gelegentlich stechen, sind folgende die häufigsten:

Familie Schildzecken

  • Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus), die mit Abstand häufigste Zecke in Deutschland
  • Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), die ihr Verbreitungsgebiet in den letzten 25 Jahren in Deutschland und in den benachbarten Ländern stark ausgeweitet hat; sticht häufig den Hund, den Menschen aber nur sehr selten
  • Reliktzecke (Haemaphysalis concinna), die nur an wenigen Standorten auftritt
  • Igelzecke (Ixodes hexagonus), die viel häufiger den Hund und die Katze als den Menschen sticht
  • Schafzecke (Dermacentor reticulatus), die auf den Südwesten Deutschlands beschränkt ist, und den Menschen nur sehr selten sticht

Familie Lederzecken

  • Taubenzecke (Argas reflexus), die auf Dachböden und Häuser beschränkt ist, die Tauben besiedeln oder besiedelt haben; ihre nächtlichen Stiche können beim Menschen eine Allergie vom Soforttyp auslösen

Im Jahr 2014 wurde im Mittelmeerraum eine neue Zeckenart beschrieben (Ixodes inopinatus), die eng verwandt ist mit dem Gemeinen Holzbock und von diesem äußerlich auch für Experten/innen nur mit einem guten Mikroskop zu unterscheiden ist. Wir wissen über die Biologie und Ökologie dieser Zecke noch sehr wenig, aber sie wurde mittlerweile auch in Deutschland mehrfach gefunden. Es ist anzunehmen, dass sie auch den Menschen sticht, und es ist zu hoffen, dass wir bald mehr über sie wissen.

Hinzu kommt die gelegentlich als unerwünschtes Reisesouvenir meist auf Hunden aus Mittelmeerländern eingeschleppte Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus sensu lato), die Hund und Mensch befällt und sich in Wohnungen ansiedeln kann. Auch diese Zecke ist als Überträger von Krankheitserregern bekannt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das größte Infektionspotenzial für den Menschen durch Zecken in Deutschland vom Gemeinen Holzbock ausgeht, ein Wald- und Waldrandbewohner, der in Deutschland nicht selten auch in Parks und parkähnlichen Anlagen (z.B. Campingplätze, Freibäder, Sportanlagen), in Gärten und auf Friedhöfen vorkommt, insbesondere dann, wenn sie sich in Waldnähe befinden.