Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)

Der Gemeine Holzbock gehört zur Familie der Schildzecken. Er ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern die häufigste Zecke. Diese weite Verbreitung und die Häufigkeit machen ihn so bedeutend – und vor allem die besondere Fähigkeit, mit dem Stich verschiedene Krankheitserreger auf Mensch und Tier zu übertragen.

Gemeiner Holzblock – Steckbrief

Gemeiner Holzbock

© Zecken-Radar.de

Gemeiner Holzbock: Vorkommen in Deutschland und Europa

Der Gemeine Holzbock ist in ganz Deutschland heimisch. Einzige Ausnahme bilden Gebirgslagen über 1.500 Meter. Neben Deutschland ist der Gemeine Holzbock in nahezu allen europäischen Ländern anzutreffen – der Holzbock gilt nicht umsonst als die „typische“ Zecke von Ost- bis Westeuropa (bis ca. 40° östlicher Länge). Im hohen Norden Europas, dem nördlichen Skandinavien oberhalb ca. 66° N, endet das natürliche Habitat des Gemeinen Holzbocks. In mediterranen Gebieten ist diese Zeckenart in der Regel in höher gelegenen Laub- oder Mischwäldern zuhause.

Jahreszeitliches Auftreten in Deutschland (Aktivität)

Nymphen, Weibchen und Männchen des Gemeinen Holzbocks sind meist von März bis Oktober bzw. November aktiv – in Mittelgebirgen und Gebirgen mit verkürzter Saison. Larven dagegen sind von April/ Mai bis Oktober vermehrt auf der Jagd. In sehr milden Wetterperioden sind Nymphen und erwachsene Zecken zusätzlich im Winter aktiv.

Typische Standorte

Zum typischen Lebensraum des Gemeinen Holzbocks gehören Laub- und Mischwälder mit ganzjährig geschlossener Laubstreu, Waldlichtungen und Waldränder. Sofern es ausreichend feucht ist, ist der Holzbock auch in Nadelwäldern, Parks, waldnah gestalteten Gärten und verbuschten Brachflächen anzutreffen.

Wo halten sich aktive (wirtssuchende) Zecken auf?

Ein hungriger Gemeiner Holzbock befindet sich in der Regel auf Grashalmen, Kräutern und Stauden bis zu einer Höhe von etwa 1,50 Meter. Zusätzlich befindet er sich auf und in der Laubstreu sowie auf Totholz (umherliegende Äste, Baumstämme) sowie Baumstümpfen.

Gemeiner Holzbock: Biologie

Erwachsene Weibchen des Gemeinen Holzbocks sind vor einer Blutmahlzeit ca. 3-4 mm klein. Vollgesogen  bringen sie es auf ca. 1 cm und mehr. Erwachsene Männchen dagegen sind 2,5 – 3,5 mm groß, Nymphen vor der Blutmahlzeit ca. 1,5  mm und nüchterne Larven knapp unter 1 mm. Erstaunlich ist die Größenzunahme eines Weibchen nach einer Blutmahlzeit: Die Körpermasse des Weibchens nimmt während des ca. einwöchigen Saugaktes um das 100- bis 200-fache zu.

Typische und besondere Eigenschaften

Der Gemeine Holzbock mag es in der Regel feucht. Er ist zudem ein echter Überlebenskünstler, so überlebt er zwischen den Blutmahlzeiten bis zu ca. 2 Jahre ohne Nahrungsaufnahme. Und bei der Auswahl seiner Opfer ist der Gemeine Holzbock nicht wählerisch: Er akzeptiert ein breites Spektrum an Wirtstieren. Hierzu zählen bei Larven und Nymphen vor allem Kleinsäuger, Vögel, Eidechsen, aber auch mittelgroße und große Säuger. Erwachsene Zecken haben es auf mittelgroße und große Säuger abgesehen. Hierzu zählen kleinere Wirte wie Igel, ansonsten aber überwiegend Hasen, Reh-, Dam- und Rotwild sowie Füchse.

Wird der Mensch gestochen?

Ja, von allen mobilen Entwicklungsstadien des Gemeinen Holzbocks (Larven, Nymphen, Weibchen). Die Männchen des Holzbocks befallen zwar ebenfalls den Menschen, sie stechen ihn aber nur selten und saugen dann nur für kurze Zeit (einige Stunden).

Werden Nutztiere gestochen?

Ja, vor allem Rinder, Schafe und Ziegen werden von allen mobilen Entwicklungsstadien des Gemeinen Holzbocks gestochen. Männchen befinden sich oft freilaufend auf dem Tier auf der Suche nach Weibchen zur Begattung.

Werden Haustiere gestochen?

Ja, vor allem Hunde und Katzen werden von vorwiegend erwachsenen Weibchen gestochen. Männchen befinden sich auch hier meist freilaufend auf dem Tier auf der Suche nach einem Weibchen.

Infektionen: Übertragung von Krankheitserregern in Mitteleuropa durch den Gemeinen Holzbock

Auf Haustiere – Hund, Katze:

  • die Erreger der Lyme-Borreliose, wobei nicht vollständig klar ist, welche dieser Bakterienarten bei Hund und Katze Lyme-Borreliose (Lahmheiten) auslösen können
  • das FSME-Virus; kann beim Hund in sehr seltenen Fällen eine Frühsommer-Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung) auslösen
  • verschiedene Gruppen von Bakterien (z.B. Rickettsien, Anaplasmen), wobei nicht vollständig klar ist, ob sie bei Hund und Katze Krankheiten auslösen können

Auf Nutztiere – Rinder, Schafe, Ziegen:

  • einzellige Parasiten (Babesien), die mit den Erregern der Malaria des Menschen verwandt sind
  • verschiedene Gruppen von Bakterien (z.B. Rickettsien, Anaplasmen)
  • Es ist unklar, ob der Gemeine Holzbock den Erreger des Q-Fiebers (Coxiella burnetii) mit dem Saugakt auf Wirte überträgt

Auf den Menschen:

  • in ganz Deutschland: die Erreger der Lyme-Borreliose (verschiedene Arten von schraubenförmigen Bakterien, die als Borrelien bezeichnet werden)
  • den viralen Erreger der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, Hirnhautentzündung), mit Schwerpunkt seiner Verbreitung in Deutschland in den südlichen Bundesländern
  • einzellige Parasiten (Babesien), die mit den Erregern der Malaria des Menschen verwandt sind
  • verschiedene Gruppen von Bakterien (z.B. Rickettsien, Anaplasmen), wobei nicht vollständig klar ist, unter welchen Umständen sie beim Menschen eine Krankheit auslösen