Hyalomma-Zecke

Die Zecken der Gattung Hyalomma sind in Afrika, Asien und Südeuropa heimisch. 2018 sorgte die Hyalomma-Zecke für mediales Aufsehen, da sieben Exemplare in Deutschland gefunden wurden. Bei derartigen Funden nördlich der Alpen handelt es sich zumeist um zwei Arten: Hyalomma marginatum und Hyalomma aegypticum. Beide Arten gelangen alljährlich mit Zugvögeln im Frühjahr aus südlichen Gefilden nach Mittel- und Nordeuropa.

Hyalomma – Steckbrief

  • Zoologischer Name der beiden Arten, die vereinzelt nördlich der Alpen auftreten: Hyalomma marginatum; Hyalomma aegypticum
  • Familie: Schildzecken (Ixodidae)
  • Vorkommen: Vorwiegend in Südeuropa einschließlich Südfrankreich, fast ganz Afrika und Südasien. Einzelfunde von Larven- und Nymphenstadien nördlich der Alpen.
  • Besonderheiten: Zecken der Gattung Hyalomma besitzen Augen. Daher auch der Gattungsname: Hyalos (griechisch): Glas; omma: Auge.
  • Sticht den Menschen? Selten
  • Überträger von Krankheitserregern? H. marginatum: Überträger von Viren (u.a. Krim-Kongo-Fieber), Babesien und Theilerien.
Nahaufnahme einer Hyalomma-Zecke

Verbreitung und Vorkommen der Hyalomma-Zecke

Hyalomma-Zecken kommen vorwiegend in Südeuropa einschließlich Südfrankreich, in fast ganz Afrika und Südasien vor. Dort befällt das hungrige Larvenstadium im März Zugvögel. Die Verweildauer der Zecke als Larve und Nymphe auf einem Vogel beträgt bis zu vier Wochen. In dieser Zeit kann ein Zugvogel vom Mittelmeer aus Mittel- und Nordeuropa erreichen. Gesogene Nymphen erreichen so in jedem Jahr in großer Zahl Orte weit nördlich ihres „normalen“ Verbreitungsgebietes. Sie fallen dort aber nur äußerst selten auf, weil es im Frühjahr im Norden für sie in der Regel zu kühl ist, um sich zur erwachsenen Zecke zu entwickeln. Nur sehr vereinzelt wurden erwachsene Hyalomma-Zecken in den letzten Jahren in Deutschland gefunden. So beispielsweise 2018 als der Fund von sieben Exemplaren für deutschlandweites Aufsehen sorgte.

Der Sommer 2018: ideal für Hyalomma-Zecken

Laut Deutschem Wetterdienst war das Jahr 2018 das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 und zudem äußerst niederschlagsarm. In den für die Weiterentwicklung der neu angekommenen Hyalomma-Zecken besonders kritischen Monate April und Mai entsprach das Wetter dem in Südfrankreich, wo Hyalomma-Zecken natürlicherweise vorkommen.

Diese außergewöhnliche, über Monate stabil anhaltende Wärmephase war ideal für die auf warme Frühjahrs- und Sommertemperaturen eingestellten Hyalomma-Zecken. Die ebenfalls herrschende Trockenheit machte ihnen nichts aus. Die in Deutschland angelandeten gesogenen Nymphen konnten sich offenbar in großer Zahl zu erwachsenen Zecken entwickeln und befielen hier große einheimische Säugetiere wie Pferde, Rinder, Schafe und vermutlich auch Rehe und Hirsche. Die bekanntgewordenen Fälle dürften dabei nur die Spitze des Eisberges darstellen. Die meisten vorhandenen erwachsenen Hyalomma-Zecken in Deutschland werden unbemerkt geblieben sein. Die am intensivsten betreuten Großsäuger bei uns sind Pferde, und es ist deshalb auch kein Zufall, dass die meisten Hyalomma-Zecken auf Pferden gefunden wurden.

Überleben Hyalomma-Zecken den Winter in Deutschland?

Die große Frage ist, ob die Temperaturen im Winter jeweils so mild sind, dass sich aus den Eiern Larven entwickeln und ungesogene erwachsene Hyalomma-Zecken den Winter überleben können. Grundsätzlich sind diese Zecken in der Lage kalte Winter zu überleben. Das zeigt ihr Vorkommen in der Türkei und auch nördlich des Schwarzen Meeres. Leider wissen wir noch zu wenig über ihre Biologie, wie der Lebenszyklus an die Jahreszeiten angepasst ist, welches die Überwinterungsstadien sind und wie flexibel diese Zecken diesbezüglich sein können. Die spannende Frage ist also, ob Hyalomma-Zecken die vielerorts milden Winter überleben und im darauffolgenden Jahr das Erwachsenenstadium erreichen können. Das hängt weitgehend vom Wetterverlauf ab.

Hyalomma-Zecken: Biologie

Hyalomma-Zecken sind im Vergleich zum in Mitteleuropa weit verbreiteten Gemeinen Holzbock sehr groß. Die ausgewachsenen Weibchen sind zwischen 5 und 6,6 Millimeter groß, die Männchen bringen es immerhin auf 4 bis 5,6 Millimeter. Eines der charakteristischen Merkmale der Hyalomma-Zecke sind ihre Augen. Ihnen hat sie auch ihren Gattungsnamen zu verdanken (griech. Hyalos: Glas; omma: Auge). Die Augen der Zecke sind für das menschliche Auge ohne Hilfsmittel nicht wahrnehmbar – optisch auffällig dagegen sind die gestreiften Beinpaare. Larven und Nymphen der Hyalomma-Art H. marginatum befallen in erster Linie Vögel. Beide Zeckenstadien verbringen bis zu 26 Tage auf Vögeln. Während dieser ausgedehnten Blutmahlzeit kann es dazu kommen, dass gerade Zugvögel die Hyalomma-Zecken über die Alpen nach Nord- und Mitteleuropa transportieren.

Ausgewachsene, geschlechtsreife H. marginatum befallen in Südeuropa neben Vögeln auch Rinder, Füchse und Wildschweine. Nach erfolgreicher Blutmahlzeit verlassen die vollgesogenen Weibchen den Wirt, um im Boden die Eier abzulegen.

Ganz oben auf der Speisekarte von Hyalomma aegypticum stehen Schildkröten. Sie befallen allerdings auch Eidechsen, Igel, Hunde, Pferde und Esel. Larven- und Nymphenstadien haben es genauso wie H. marginatum auf Vögel abgesehen.

Infektionen: Übertragung von Krankheitserregern durch Hyalomma-Zecken

Hyalomma-Zecken sind die Hauptüberträger des sogenannten Krim-Kongo-Hämorrhagischen-Fieber-Virus, das eine ernste Erkrankung beim Menschen auslösen kann. Unter den zahlreichen Hyalomma-Zecken, die alljährlich nach Mittel- und Nordeuropa vordringen, können auch  infizierte Zecken dabei sein. Die von ihnen bevorzugt befallenen Großsäuger erkranken an dieser Infektion nicht. Infizierte Tiere sind also nicht auffällig, aber sie tragen das Virus eine gewisse Zeit in sich und ihre Körperflüssigkeiten sind für den Menschen sehr infektiös.